Zeugnisse – Schuldruck für Kinder

Zeugnis – Nur Zahlen oder wichtige Aussagen für die Zukunft? Wie viel Druck erzeugt das Thema Zeugnis bei den Kindern und wie sollte man als Elternteil darauf reagieren? Gar nicht so leicht …

 

Das sagt Constanze

Ich habe drei sehr unterschiedliche Kinder. Alle gehen anders mit der Schule um. Muss man das eine Kind vielleicht sogar ein bisschen bremsen, weil es sich selbst so unter Druck setzt bezüglich der Klassenarbeiten oder Klausuren, ist das andere Kind vielleicht eher stoisch und geht mit einer großen Portion Optimismus an die Klassenarbeiten. Aber ist mein eines Kind nun intelligenter als das andere, weil es bessere Zensuren auf dem Zeugnis hat? Ich glaube nicht!

Gute Noten – das A und O?

Gerade in diesem Jahr wird wieder sehr darüber diskutiert, wie fair die Notenvergabe gewesen ist. Kinder, die die ganze Zeit im Homeschooling waren, mussten – kaum, dass sie die Schule betreten hatten – gleich Arbeiten schreiben. Für viele eine echt große psychische Belastung. Noch dazu, da in den meisten Fällen nur eine Arbeit geschrieben werden konnte. Für die Lehrer auch eine Herausforderung – wie sollen Kinder beurteilt werden, die man viel zu wenig gesehen hat? Und dazu dann noch die Erwartungshaltung der Eltern. Heute ist ja alles, was im Durchschnitt keine 1 vor dem Komma hat, eigentlich untragbar. Ich frage mich, wann dieser Einser-Wahn entstanden ist. Zu meinen Abi-Zeiten war das noch nicht so.

Kunst und Sport zählen nicht … ?

Und dann habe ich eine Aussage aufgeschnappt, die ich echt traurig fand. Dabei hatte das Grundschulkind in allen Nebenfächern – von Kunst über Sport bis zu Sachkunde – gute bis sehr gute Zensuren, aber eben nicht in Deutsch und Mathe. „Ja um Gottes Willen, Kind, da müssen wir aber noch echt viel tun. Die Hauptfächer sind doch das Wichtigste.“ Ja, wer bestimmt denn das? Das Kind zuerst megastolz auf das Zeugnis – nach diesem Kommentar aber sehr verunsichert und traurig. Es hatte enttäuscht statt stolz zu machen. Mensch Leute, euer Ernst? Ich finde die Bewertungen grundsätzlich schon schwierig, denn ich habe oft das Gefühl, es geht nur um Konformität, wie Schule bei uns gehandhabt wird. Aber wir brauchen ganz besondere Menschen, mit besonderen Begabungen und Fähigkeiten in unserer Gesellschaft!

Was wirklich zählt …

Natürlich ist es gut und richtig, sich anzustrengen und Leistung zu zeigen. Und ja, es braucht Beurteilungen, um zu sehen, ob die Schüler mit den Anforderungen an die nächste Stufe zurechtkommen, aber vieles daran erscheint doch sehr willkürlich und bei manchen Schulstoffen frage ich mich tatsächlich, wozu das später noch gebraucht wird. UND: Das Zeugnis sagt nichts darüber aus, wie talentiert jemand in dieser einen Sache ist, die ihn oder sie so richtig begeistert. Wer von den Eltern weiß heute denn überhaupt noch, was für Noten er oder sie damals in der Schule hatte? Letztendlich geht es doch nur darum, in der Schule eigene Neigungen zu Themen und Fächern zu erkennen und einen Abschluss zu machen, der einem eine Berufswahl oder das Studium ermöglicht. Schade, dass so viele nach der Schule überhaupt nicht wissen, in welche Richtung sie gehen wollen, denn Neigungen waren gar nicht so wichtig – nur gute Zensuren in Hauptfächern …

Das sagt Clara

Ich bin schnell gestresst, wenn es um Schule geht, besonders in den Klausurphasen werde ich schnell krank und bin übermüdet.

Sehr viel Notendruck

Meiner Meinung nach lastet mittlerweile viel zu viel Druck auf uns Schülern. Es herrscht ständige Konkurrenz zwischen den Schülern und die Lehrer betonen immer wieder: “Ihr macht bald Abitur, ich müsst das können!”. Teilweise wird erwartet, dass alles in der Mittelstufe Gelernte perfekt sitzt. Jetzt mit Corona stand man besonders unter Druc. Man musste nicht nur den Stoff lernen, man musste ihn auch selbst erarbeiten. Blieb man hierbei nicht diszipliniert bei der Sache, fand man sich schnell im Chaos wieder.

Die Hölle bis zum Zeugnis

Ich habe vor allem jetzt in der Q1 richtig Gas gegeben, denn mir war klar, alles zählt für mein Abitur. Soweit kann ich auch sagen, dass ich mit meinem Zeugnis zufrieden bin. Aber der Weg dahin war die Hölle! Ich habe nicht nur alle Klausuren dieses Jahr geschrieben, sondern ständig mit meinen Lehrern über meine Leistungen gesprochen, da ich vor allem meine mündlichen Noten nicht gerechtfertigt fand. Es ist einfach frustrierend, wenn man sich so anstrengt und dann nicht das erreicht, was man sich vornimmt.

Froh, es geschafft zu haben

Trotzdem ist es eine Erleichterung gewesen, nun am Ende des Jahres das Zeugnis in der Hand zu halten. Meine Familie ist immer zufrieden mit mir – und meine Großeltern interessieren sich eigentlich nur für meine Note in Sport – das hat Tradition bei ihnen. Ich denke mir zwar immer noch, dass da immer Luft nach oben ist, aber die Ferien kann ich dann gut nutzen, um mal runter zu fahren. Das ist ganz wichtig.

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